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Weder das rein intellektuelle Erfassen der Buddha-Lehre noch das Befolgen ihrer ethischen Richtlinien allein reicht für eine erfolgreiche Praxis aus. Im Zentrum des Buddha-Dharma stehen daher Meditation und Achtsamkeitspraxis. Von der Atembeobachtung über die Liebende-Güte-Meditation (metta), Mantra-Rezitationen, Gehmeditation, Visualisierungen bis hin zu thematisch ausgerichteten Kontemplation haben die regionalen buddhistischen Schulen eine Vielzahl von Meditationsformen entwickelt. Ziele der Meditation sind vor allem die Sammlung und Beruhigung des Geistes (samatha), das Trainieren klar-bewusster Wahrnehmung, des „tiefen Sehens“ (vipassana), das Kultivieren von Mitgefühl mit allen Wesen, die Schulung der Achtsamkeit sowie die schrittweise Auflösung der leidvollen Ich-Verhaftung.

Achtsamkeit (auch Bewusstheit, Vergegenwärtigung) ist die Übung, ganz im Hier und Jetzt zu verweilen, alles Gegenwärtige klarbewusst und nicht wertend wahrzunehmen. Diese Hinwendung zum momentanen Augenblick erfordert volle Wachheit, ganze Präsenz und eine nicht nachlassende Aufmerksamkeit für alle im Moment auftauchenden körperlichen und geistigen Phänomene.

Erfasst von : Francis Samarawickrama

Die Vergänglichkeit des Daseins, aller Phänomene, aller Teilchen ist damit angesprochen. Da wir Menschen die Vergänglichkeit jedoch noch nicht geistig erfahren haben, sind wir davon überzeugt, dass das Vergängliche unvergänglich ist. Der Mensch will ewig jung bleiben; er ist diesem Ideal verhaftet. So leiden er unter dem Älterwerden, den Wechseljahren, der Midlifecrisis, altersbedingte Krankheiten und Schwäche, die jeder von uns kennenlernt. Dieses körperliche Leiden wird umso größer, wenn man sich nicht der Vergänglichkeit des Körpers bewusst geworden ist.

Auch der Körper eines erleuchteten Menschen, wie der Buddha, ist dem Verfall unterworfen. Im hohen Alter von 80 Jahren wies er darauf hin, wie dieses Fahrzeug leidet, wie er zerfällt und überall schmerzt. Doch sein Geist litt nicht unter den körperlichen Schmerzen, da er die Vergänglichkeit bereits kennengelernt und erfahren hatte. Der Buddha konnte nur mehr lächeln. Er hat die Vergänglichkeit, Leidunterworfenheit und Nicht- Selbst verstanden.


Es erfordert große Überwindung, sich die Realität der Vergänglichkeit bewusst zu machen. Wir können die Vergänglichkeit das Entstehen und Vergehen, an der Flamme einer Kerze noch sehr gut wahrnehmen. Doch schon eine Glühbirne scheint ewig zu brennen. Ihr Licht scheint nirgends herzukommen, so dass die Illusion entsteht, es sei ja meine elektrische Energie, die da brennt und die ich hier verbrauche. Später wundert man sich dann über die hohe Stromrechnung, deren Kosten man bezahlen muss. Dies ist ein Beispiel für die Verblendung, die Illusion, in der wir leben und deren Kosten wir durch Leiden bezahlen müssen. Betrachtet man das fließende Wasser eines Stromes, so besteht kein Zweifel daran, dass es sich in jedem Moment um anderes Wasser handelt. Wie schwer ist es jedoch zu erkennen, dass auch der betrachtende Mensch in jedem Augenblick ein andere ist. Wechsel, Veränderung, Vergänglichkeit, Entstehen und Vergehen sind ein wesentliches Merkmal aller Phänomene. Eine schöne Blume ist leider auch keine Ausnahme; sie verblüht, und verwelkt. So werden in den buddhistischen Ländern dem Buddha Blumen als Symbol der Vergänglichkeit dargebracht. Anicca haftet auch den schönsten Dingen an. Sind wir diesem Schönen verhaftet, so bringt dessen Vergänglichkeit uns Leiden.

Der Buddha hat uns den Edlen Achtfachen Pfad gelehrt, der sich in drei Stufen unterteilen lässt, in Sila(Regeln), samadhi (Gestessammlung) und Weisheit.

Die Tatsache der Vergänglichkeit aller Phänomene besteht unabhängig davon, ob sie der Buddha uns gelehrt hat oder nicht. Die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie tatsächlich ist, und nicht wie sie sein könnte oder sein sollte, ist das Ziel jeder wirklichkeitsgemäßen Erkenntnis. Würden wir Altern, Krankheit, Schmerzen, Sorgen und Kummer im täglichen Leben unter dem Aspekt der Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit und Substanzlosigkeit erkennen, hätten wir die Ursache vieler Leiden beseitigt und wären dem wahren Glück ein großes Stück näher gekommen.

Erfasst von : Francis Samarawickrama